Gemeindebrief

Der Gemeindebrief für die Nordregion erscheint 6 mal im Jahr. Wenn Sie gern einen Gemeindebrief bekommen wollen oder bei der Verteilung helfen möchten, oder wenn Sie Fragen oder Anregungen weitergeben möchten, wenden Sie sich bitte an Herrn Richter.

Geistliches Wort im aktuellen Gemeindebrief

Gott spricht: Ich schenke euch ein neues Herz und lege einen neuen Geist in euch. Jahreslosung 2017 (Hesekiel 36,26)

Ist neu immer gut? Ohne Innovationen kann eine Marke kaum bestehen auf dem Markt. Das neueste Modell wird als das unschlagbar beste aller Zeiten angepriesen, obgleich es recht bald wieder vom noch besseren Nachfolgemodell abgelöst werden wird. Dabei werden die Zeitabstände der Markteinführung immer geringer, sei es bei Autos oder bei Smartphones. Und wir erfahren an uns selbst, wie sehr gerade die Neuerungen in der Technik unser Alltagsleben nachhaltig und rasant verändert haben und weiter verändern. Seine erste E-Mail-Adresse hat manch einer vor knapp zwanzig Jahren erhalten, vor etwa fünf Jahren das erste Smartphone. Beide sind nach so kurzer Zeit aus unserem Leben nicht mehr wegzudenken. Die Zahl der Menschen, die sich täglich im Internet tummeln, stieg in den letzten Jahren massiv an, die Zeit, die sie online sind, ebenfalls. Die neue Technik, sie macht das Leben leichter und schöner, soll helfen bei der "Selbstoptimierung". Allerdings sorgt sie auch für Unzufriedenheit. Immer erreichbar sein, rund um die Uhr funktionieren: Die Anforderungen unserer modernen Gesellschaft sind hoch. Für das seelische Wohlbefinden können sie eine Belastung werden. Experten warnen vor den Folgen des modernen Lebensstils, ständige Erreichbarkeit, Sucht nach sozialen Medien und Körperkult erhöhen das Risiko für Stresskrankheiten, Arzneimittelabhängigkeit und Essstörungen. Manche Forscher sehen bereits die Ausbreitung einer "Digitalen Depression". Selbstwertgefühl, Stimmung und Lebenszufriedenheit hingen inzwischen allzu oft von technischen Geräten und Programmen ab. So verlieren in Online-Netzwerken geteilte Erinnerungen oder Aufnahmen schnell ihren Wert, wenn sie kaum einer "liked" oder positiv kommentiert. Oder Unzufriedenheit stellt sich ein, wenn Sport-Apps und Tracking-Geräte zwar zu mehr Bewegung animieren, aber manch einer seinen ersehnten Nachmittagslauf doch lieber ausfallen lässt und das die bisherige Trainingsbilanz vermiesen könnte, da die gezählten Schritte und gemessenen Herzdaten nicht den Planungen entsprechen.

Rund 100.000-mal schlägt unser Herz im Verlauf eines Tages und pumpt dabei 7.000 Liter Blut durch unseren Körper, 60, 120 oder 180-mal pro Minute. Das Herz macht alles mit, flexibel reagiert es auf körperliche und seelische Verfassung, Alter und Belastung - ein ganzes Leben lang. Es ernährt mit jedem Herzschlag vorerst über die Herzkranzgefäße sich selber und versorgt dann alle Organe unseres Körpers und ermöglicht uns so unser Leben, so wie wir jetzt hier sind. Es tut dies alles wunderbar und ganz und gar im Stillen.

Gott spricht: Ich schenke euch ein neues Herz und lege einen neuen Geist in euch. So lautet die Jahreslosung für 2017 aus dem Propheten Hesekiel (36,26).

Was wären die Konsequenzen mit dem neuen Herzen und dem neuem Geist, was müssten wir ändern? Könnten wir das und wollten wir das überhaupt? Können wir dem, der so zu uns spricht, vertrauen und ihm glauben? In den Schriften des Reformators Martin Luther findet sich folgender prägnanter Satz "Woran dein Herz hängt, ist dein Gott". Woran hängt unser Herz wirklich? Was zerreißt das Herz, was geht zu Herzen, was erweicht das Herz, was bewegt unser Herz? Bewegt es sich überhaupt oder ist es gar steinern, ist kalt geworden? Hängt es an einer absoluten Überzeugung oder an sich selbst, wollen wir selbst unser Gott sein oder glauben wir an gar nichts mehr?

Wenn wir in unser Inneres sehen und uns nicht davor drücken, so könnten wir wohl ein neues Herz gebrauchen. In unserem Text steht aber zusätzlich "ich werde euch ein neues Herz und einen neuen Geist geben." Es geht also um beides, Herz und Geist. Wir kennen das oft so gegenteilige Streben von Herz und Geist: "Das Herz hat seine Gründe, die die Vernunft nicht kennt" (Pascal). "Die Leuchte des Geistes ohne Wärme des Herzens wird oft zum Irrlicht" (Peter Sirius). "Während man dem Geist immer mehr Nahrung gibt und die Köpfe erhellt, lässt man nicht selten das Herz erkalten" (Gottfried Keller). Und schließlich Theodor Fontane: "O lerne denken mit dem Herzen und lerne fühlen mit dem Geist".

Ein Aufbruch zu einem neuen Denken, Fühlen und Wollen, zu einem Umdenken, Umfühlen, unser Leben neu und anders zu gestalten, mit andern Werten zu erfüllen, weg von der Atemlosigkeit unserer Zeit, hin zu mehr Stille, Lebensqualität und Freude - ein Decrescendo, Entschleunigung unseres Lebens, sodass wir wiederum für uns und andere erreichbar und berührbar werden. Ich nehme an, dass wir alle immer wieder etwas von dieser Sehnsucht nach einem solch neuen Herzen und neuen Geist empfinden. Eine Neuwerdung, die sich nun aber gerade nicht - als ein weiterer Versuch einer "Selbstoptimierung" - unseren eigenen inneren Kraftakten der Selbstüberwindung verdankt . Wenn sich etwas ändern soll, wenn die Menschen sich verändern sollen, dann wird nur Gott das selber bewerkstelligen können, der Weltenschöpfer, Creator spiritus, der Schöpfergeist, der, von dem wir uns kein Bildnis machen sollen, der Unfassbare, der ganz Andere, der Sie und mich gemacht hat und so - wie wir hoffen und zu glauben versuchen -, uns in unserem Leben auch begleitet und unsere Herzen und unseren Geist verwandelt.

Pfarrer Stephan Krüger

zurück zur Startseite